Unfall mit Folgen Teil 8: Es wird ernst

„Duuuu“, begann Daniel, als er und Katharina am nächsten Wochenende kuschelnd auf seinem Bett lagen. Er strich weiter mit seiner Hand über Katharinas Nacken, spürte aber, dass diese zu zittern begann.
„Ja?“ Katharina hob den Kopf von seiner Brust und schaute ihn fragend an, legte ihre Hand auf seine und streichelte sanft mit dem Daumen über seinen Handrücken.
Daniel schluckte, war sich nicht ganz sicher, wie er das Thema am besten zur Sprache bringen sollte. Aber immerhin hatte er es geschafft, Katharina das Bettnässen und nächtliche Windelntragen zu beichten, da würde so ein „normales“ Beziehungsgespräch ja wohl ein Klacks werden! „Du weißt, dass du meine erste Freundin bist, oder?“

„Ja“ Katharina schaute ihn fragend an, er ergriff ihre Hand fester und starrte auf den fehlenden Knopf an seiner Bettdecke.
„Ich hab Angst“, gestand er.
„Angst? Wovor?“
„Was falsch zu machen, dass es für dich nicht schön ist oder dir einfach zu wenig ist. Immerhin hast du schon viel mehr Erfahrung.“
„Viel mehr Erfahrung?“ Katharina zog die Augenbrauen hoch. „Ja, ich hatte schon mal ein halbes Jahr einen Freund. Aber dass ich deshalb viel Erfahrung hab, stimmt nicht. Viel mehr als knutschen und kuscheln ist da gar nicht gelaufen.“
„Echt nicht?“
„Echt nicht!“
„Und du willst auch nicht jetzt sofort mehr?“
„Ob ich dir jetzt sofort oder auf jeden Fall in den nächsten zwei Wochen die Klamotten vom Leib reißen und wilden Sex mit dir haben will?“
Daniel blieb der Mund offen stehen, zu spät realisierte er, dass Katharina kicherte. Prustend fiel er ein und erklärte: „Ja, so ungefähr“

Als sie sich wieder soweit beruhigt hatte, dass sie sprechen konnte, ergriff Katharina wieder seine Hand und versicherte: „Nein, will ich nicht, wirklich nicht. Also irgendwann bestimmt, ich will auf jeden Fall, dass es dann mit dir passiert. Aber bis dahin können wir es ganz langsam angehen lassen.“ Daniel stieß stoßweise die angehaltene Luft aus, sie hatte perfekt zusammengefasst, was er eigentlich hatte sagen wollen.
„Ich hab mindestens genauso viel Angst wie du“, gab sie jetzt zu. „Ich glaube, das ist auch normal, und solange wir darüber reden und nichts machen, was einer nicht will – oder wir beide eigentlich nicht – ist das auch nicht schlimm.“
Daniel nickte zustimmend, das klang vernünftig, beruhigend und nach einer Lösung, wie sie fast Erwachsene in einer echten Beziehung fanden. „Also lassen wir uns Zeit?“
„Soviel Zeit, bis wir uns beide sicher sind“, bestätigte Katharina und der lange intensive Kuss war ein bisschen wie ein Versprechen. Dann lächelte sie: „Darf ich heute Nacht trotzdem hier schlafen? Ich würde total gerne kuschelnd einschlafen und neben dir aufwachen.“

Einen Moment zögerte Daniel, das hieß, sie würde nicht nur von den Windeln wissen, sondern es „live“ mitbekommen. Als würde sie seine Gedanken ahnen, versicherte sie: „Hey, wir hatten doch schon geklärt, dass das mit deinem nächtlichen Problem absolut nicht schlimm ist. Du musst dich nicht schämen, wenn es dir hilft, verspreche ich dir, dass ich überhaupt nichts dazu sagen werde.“
„Okay“ Er würde sich ohnehin nicht ewig davor drücken können, so hätte er das erste und vermutlich schlimmste Mal wenigstens hinter sich. Und sie hatte Recht, die Vorstellung, sich später nicht verabschieden zu müssen, sondern mit seiner Traumfrau im Arm einschlafen und wieder aufwachen zu dürfen klang sehr verlockend – ein Anreiz, der schließlich größer war als die Angst. „Ja, ich würde mich freuen, wenn du hier schlafen willst.“

Felix‘ POV
Zur selben Zeit, in der Daniel und Katharina das für sie und ihre Beziehung so wichtige Gespräch führten, unterhielten sich Felix und Lasse über etwas weniger elementare Dinge. Diesmal waren sie bei Lasse zu Hause, da dieser auf seinen kleinen Bruder aufpassen musste. „Mein Vater ist mal wieder auf einem unglaublich wichtigen Geschäftsessen und meine Mutter hat Spätschicht“, hatte Lasse seufzend erklärt.
Sie sprachen über ihre Lieblingsfilme und ihr Lieblingsessen, Bücher, Musik und Fußball. „Niemals wird das mit dem Aufstieg in die erste Liga was!“, zerstörte Felix Lasses Optimismus, als sie tapsende Schritte auf dem Flur hörten. Gleich darauf wurde die Tür geöffnet und Felix blickte in die gleichen haselnussbraunen Augen wie die von Lasse unter den gleichen wuscheligen Haaren, nur der Blick war verschlafener und fragend. „Wer bist du?“, wollte der vielleicht achtjährige Junge mit schief gelegtem Kopf und einem Akzent, der ein bisschen stärker war als der von Lasse, wissen.
„Äh, ich bin Felix“
„Bist du Lasses Freund?“, ging das Verhör weiter und Felix warf Lasse einen ratlosen Blick zu. Der antwortete: „Ja, Felix ist ein Freund von mir.“
„Daniel ist auch Lasses Freund“, erklärte der Kleine jetzt. „Aber in den ist er nicht verliebt.“
Lasses Gesicht schien sich nicht zwischen der Farbe des Traubensafts in ihren Gläsern und der der weißen Tischdecke entscheiden zu können, und er musste dreimal ansetzen, bis er mir zusammengepressten Zähnen hervorbrachte: „Ich bin auch nicht in Felix verliebt!“ Der Kleine wirkte nicht überzeugt und bevor er weitersprechen konnte, fragte Lasse mühsam beherrscht: „Was machst du überhaupt hier? Wieso schläfst du nicht?“
„Ich muss Pipi machen“, erklärte der Junge und Lasse forderte ihn auf: „Dann geh! Und Hände waschen nicht vergessen!“ Folgsam verschwand der Kleine ins Bad und Lasse murmelte: „Tut mir Leid, kleine Brüder sind wohl immer neugierig. Ich hab dir ja erzählt, dass meine Homosexualität für ihn was ganz Normales ist und ich hab ihm mal den Unterschied zwischen einem Freund und einem Freund, in den ich verliebt bin, erklärt. Er kennt auch Jári und na ja…“
„Schon gut“, bemühte sich Felix, Lasse ein bisschen Verlegenheit zu nehmen und gleichzeitig nicht darüber nachzudenken, was die Aussage des Jungen in ihm ausgelöst hatte. Es war doch klar, dass Lasse nicht in ihn verliebt war, warum erfüllte ihn diese klare Feststellung nicht mit Erleichterung? Hatte er nicht immer befürchtet, Andy hätte doch Recht gehabt? Umso besser, dass das nun geklärt war, er sollte dem vorlauten kleinen Kerl dankbar sein. Aber warum spürte er dann stattdessen einen kleinen, aber fiesen Stich irgendwo in seinem Inneren, einen Stich, der irgendwie an Enttäuschung erinnerte? Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, ging die Wohnzimmertür wieder auf und Lasse verdrehte die Augen. „Was ist jetzt los? Ab, zurück ins Bett mit dir!“
„Ich hab Durst“
„Dann geh in die Küche und hol dir Wasser!“
„Darf ich auch Saft haben? Bitte“ Große bettelnd dreinblickende Augen und Lasse biss sich auf die Unterlippe. „Erzähl es nicht Mama und Papa, dass ich dir nach dem Zähneputzen welchen gegeben hab.“
„Ganz fest versprochen!“ Der Kleine nickte ernst und Lasse hielt ihm sein Glas hin. Nachdem Leif es mit einem Zug geleert hatte, wiederholte Lasse: „So, und jetzt ab ins Bett!“
„Kommst du nun öfter?“, wollte Leif statt einer Antwort von Felix wissen und der antwortete zögernd: „Ich denke schon, ich bin ja ein Freund von Lasse.“
„Er kommt bestimmt überhaupt nicht mehr her, wenn du ihn weiter nervst“, stöhnte Lasse. „Geh jetzt endlich schlafen!“
„Kannst du mich noch zudecken?“
Resigniert erhob sich Lasse, warf Felix ein entschuldigendes „Bis gleich“ zu und nahm seinen kleinen Bruder bei der Hand. „Na komm“

Zu Felix‘ Erleichterung blieb er nicht lange allein mit sich und seinen Gedanken. Lasse setzte sich wieder neben ihn – täuschte er sich oder war Lasse vorhin weiter weg gesessen? Und warum fühlte sich die Nähe so angenehm an? Warum würde er am liebsten noch näher an den anderen Jungen heranrücken? Schluss damit! „Na, schläft er?“ Zu seiner Erleichterung klang seine Stimme so neutral wie gehofft. „Fast“, antwortete Lasse. „Er hat keine Probleme damit, alleine einzuschlafen, wenn er weiß, dass jemand da ist. Das war nur ein bisschen Aufmerksamkeit suchen und Neugier.“
„Neugier auf mich?“
„Ja, wahrscheinlich. Dich kennt er noch nicht, Daniel und Andy sind öfter mal hier. Hauptsächlich, wenn ich auf Leif aufpassen muss, ansonsten hat Daniel das viel tollere Zimmer. Also er hat schon mehr Platz zum gemütlich rum sitzen und hier jemanden übernachten lassen, ist logischerweise auch schwierig. Versteh mich nicht falsch, ich hab Leif total gern und es gibt sicher viel anstrengendere kleine Geschwister, aber ich beneide die, die ein eigenes Zimmer haben, trotzdem manchmal.“
„Kann ich verstehen. Wenn es nicht inzwischen so unglaublich schwierig wäre, überhaupt eine Wohnung zu finden…“
„Oh ja“, erinnerte sich Lasse und verdrehte die Augen. „Meine Eltern haben auch viel geflucht dabei. Aber gleichzeitig wollten wir auch schnellstmöglich aus der Musterwohnung raus, die die Firma meines Vaters uns erst mal zur Verfügung gestellt hat. Die war auch nicht besonders groß und vor allem schrecklich unpersönlich, wir wollten unbedingt bald unsere eigenen Möbel und Sachen um uns haben.“
„Glaub ich. Meine Mutter sagt immer, wir können niemals umziehen, weil wir heutzutage keine Wohnung in der Größe für den Preis mehr finden würden. Sie hat noch einen alten Mietvertrag , als unser Viertel noch nicht angesagt war.“
Lasse nickte, dann warf er Felix einen Blick aus seinen großen dunklen Augen zu und sagte: „Du, kann ich dich mal was anderes fragen?“

Daniels POV
„Willst du zuerst ins Bad?“, bot Daniel an, griff nach der letzten Gelegenheit, sich noch ein bisschen Aufschub zu verschaffen. Katharina schien das verstehen zu können, sie nickte und erhob sich. Als sie zurück ins Zimmer kam, lächelte Daniel und ein wohlig warmes Gefühl durchströmte ihn – seine Freundin! Katharina hatte den Zopf, zu dem sie die Haare meist band, gelöst und die langen Strähnen fielen ihr bis auf den Rücken und sie trug einen blauen Snoopy-Schlafanzug. „Süß“, lächelte Daniel, konnte nicht anders als sie ganz fest in die Arme zu nehmen und sie grinste. „Ich war nicht ganz sicher, ob du ihn vielleicht kindisch findest, aber das ist mein Lieblingsschlafanzug und na ja…“
„Ich gehe mir jetzt eine Windel anziehen, wollen wir uns danach nochmal über kindliche Schlafzimmeroutfits unterhalten?“
Katharina starrte ihn verblüfft an, er zuckte mit den Achseln und erklärte: „Galgenhumor oder so“ Katharina wollte den Mund aufmachen, aber er winkte ab. „Nein, lass. Ist okay, wirklich. Ich geh mal ins Bad.“ Vorher holte er aus seinem Schrank eine der Bettnässerpants – er würde einen Teufel tun und etwas auffälligeres tragen, wenn seine Freundin das erste Mal bei ihm übernachtete! – und wickelte sie in das Shirt seines Lieblingsfußballvereins, das er meist zum Schlafen trug. Er hatte sich lange nicht mehr so sorgfältig die Zähne geputzt, das Gesicht gewaschen und die Haare gekämmt wie an diesem Abend. Genau genommen zuletzt im Krankenhaus, als er gehofft hatte, Felix würde in der Zeit einschlafen, er sich so dagegen gesträubt hatte, mit Windel an zurück ins Bett zu gehen. Beim Gedanken wie unnötig diese Sorge gewesen war, musste er lächeln. Dann ging er natürlich nochmal prophylaktisch auf die Toilette und schlich schließlich in sein Zimmer zurück. Katharina saß sittsam auf der Bettkante, schien auch irgendwie nervös zu sein, obwohl sie doch nun wirklich keinen Grund dazu hatte. Ihr stand die Neugier ins Gesicht geschrieben, aber sie schien sich zu beherrschen um nichts zu sagen. „Raus mit der Sprache, dir liegt doch ein Kommentar auf der Zunge“ Sie zupfte an einer blonden Strähne herum und erklärte dann: „Man sieht gar nichts.“
„Das ist der Sinn der Sache“
„Ja, ich weiß. Aber…“

„Aber was?“
„Ach nichts“ Sie wand sich ab, kroch unter eine der beiden Bettdecken, aber so leicht würde Daniel sie nicht davonkommen lassen. Er legte sich neben sie und schaute ihr fest ins Gesicht. „Was ist los?“
„Ich bin neugierig und ich würde gern mal sehen. Aber das wollte ich nicht fragen, weil ich weiß, dass es dir so unangenehm ist.“
Daniel schluckte, sie hatte gerade tatsächlich gesagt, dass sie ihn gerne in Windeln sehen würde. Soweit ging ihre Toleranz, so entspannt war sie? Sollte er wirklich? Er zupfte ohne es zu merken mit den Fingern am Bund seiner Jogginghose herum und plötzlich waren sie wieder da, die Erinnerungen an die Klassenfahrt. An den Abend nachdem seine Klassenlehrerin mit seiner Mutter telefoniert hatte und die anschließend verlangt hatte, er müsse seine Windel in ihrem Zimmer anziehen. An den Abend, als er damit in sein Zimmer zurückgeschlichen war, zitternd und nahe daran, sich zu übergeben vor Angst. Als wäre es gestern gewesen, sah er die blitzenden Augen seiner Mitschüler, seiner früheren besten Freunde vor sich, die ihn umringten, zwei hielten ihm fest, der dritte zog seine Schlafanzughose bis zu den Knien herunter, sodass er nur mit Oberteil und Windel vor ihnen stand. Die Blicke, das bösartige Gelächter, die gemeinen Sprüche würde er niemals vergessen. Und auch wenn er Abstand zu den Ereignissen gewonnen hatte, abgehakt waren sie längst nicht, dazu waren die Gefühle immer noch viel zu stark. Katharina schien zu spüren, was sie da von ihm verlangt hatte und murmelte: „Es tut mir Leid. Vergiss es, das war eine saublöde Idee. Ich weiß ja, dass du dich schämst, es ist alles gut.“ Daniel drückte sich an sie, hielt sich an ihr fest und fasste dann einen Entschluss. Bevor sein Erinnerungsvermögen wieder die Kontrolle übernahm und er sich anders überlegen konnte, zerrte er seine Schlafanzughose herunter und gewährte Katharina einen Blick auf die Pyjama Pants, die er statt normaler, altersgemäßer Unterwäsche trug. Ihr Blick war offen, neugierig, aber sie lachte nicht.

Etwas verlegen zog er seine Schlafanzughose wieder hoch und legte sich nun auf seine Seite des Bettes. Katharina lächelte. „Wirklich gar nicht schlimm, das habe ich dir ja von Anfang an gesagt. Wie meintest du zu dem Snoopyschlafanzug – „süß“.“ Nun wurde Daniel doch etwas verlegen, deckte sich bis zu den Schultern zu und Katharina lächelte weiter, kroch ganz dicht an ihn heran und streichelte ihn sanft, ließ ihre Hand über seinen Bauch und Rücken gleiten, an seiner Hüfte entlang. Daniels Muskeln versteiften sich zunächst, als ihre Hand den Bund der Windel – Bettnässerpants hin oder her, letzten Endes war es eine Windel – streifte, aber sie machte einfach weiter, ging nicht darauf ein, kuschelte ihn, als würde er eine ganz normale Unterhose tragen. Genau diese Lockerheit, dieser entspannte Umgang ließen ihn ruhiger werden, sich ebenfalls entspannen. Er schmiegte sich an sie und nach ausgiebigem Kuscheln gab er ihr einen langen Gute-Nacht-Kuss.

Felix‘ POV
Felix nickte. „Klar“ Wenn Lasse ihn so anschaute, durfte er ihn alles fragen… Der rutschte an die Sofakante, griff nach seiner Tasse mit heißer Schokolade und als er sich zurücklehnte, war der Abstand zwischen ihnen noch ein bisschen geschrumpft. So klein war die Couch nun wirklich nicht… Felix grinste vor sich hin, aber als er Lasses Frage hörte, verging ihm das Grinsen.
„Na ja, willst du erzählen, was das mit den Windeln ist? Du hattest eine an, als wir bei Daniel übernachtet haben und hast auch zugegeben, dass du schon öfter gemacht hast. Und dann hast du zu Hause in deinem Kleiderschrank welche – ja, ich weiß, die hast du aus dem Krankenhaus mitbekommen und nicht mehr gebraucht. Aber warum hast du sie nicht einfach weggeworfen, sondern im Schrank versteckt?“
Felix grübelte so lange an einer Antwort, dass Lasse seine Frage schon zurücknehmen wollte. „Ist okay, du musst nicht darüber reden, wenn du nicht willst. Ich war nur neugierig.“
„Nein, das ist es nicht. Also es ist nicht, dass ich nicht darüber reden will, ich weiß es nur nicht.“
„Du weißt nicht, was ist mit den Windeln?“
„Ja… Also bis ich im Krankenhaus war, hatte ich nie was mit dem Thema zu tun, also nicht wie du mit deiner Cousine, ich hab auch keine jüngeren Geschwistern, und habe auch nie über das Thema nachgedacht. Aber seit ich damit in Berührung gekommen bin und seit ich mit Daniel darüber geredet habe, lässt es mir keine Ruhe mehr. Ich weiß nicht, warum und wo das herkommt, aber ich muss immer wieder daran denken. Es ist spannend, fasziniert mich und ich überlege immer wieder, wann sich eine Gelegenheit ergibt, wieder … also eben nochmal eine anzuziehen. Und deswegen hab ich die aus dem Krankenhaus auch nicht weggeworfen. Ich brauche sie zwar nicht, aber ich will sie behalten und irgendwie auch tragen.“ Er schwieg betreten, starrte in seine Kakaotasse und als Lasse nicht antwortete, vermutete er „Du hältst mich für gestört, nicht wahr?“ Wie sollte es auch anders sein? Wie sollte jemand was verstehen, was er doch selbst nicht verstand? Lasses „Nein!“ klang aufrichtig, aber Felix hatte das Gefühl, er versuchte damit nur, ihn zu trösten. „Doch“, widersprach er trotzig. Dann vergrub er den Kopf in den Händen und hob ihn auch nicht, als er Lasses Hand auf seiner Schulter spürte. „Was ist los?“, fragte der Däne und Felix schaffte es immer noch nicht, ihn anzuschauen, als er gestand: „Ich schäme mich so.“
„Musst du nicht“ Lasses Stimme klang noch ein bisschen sanfter als sonst. „Es ist nicht schlimm und ich finde dich ganz bestimmt nicht gestört.“
„Echt nicht?“ Ein ganz vorsichtiger Blick zur Seite, in Lasses dunkle Augen und dessen Lächeln.
„Echt nicht!“
Felix seufzte nur tief und statt seine Hand zurückzuziehen, legte Lasse ihm den ganzen Arm um die Schultern, schien dann abzuwarten, ob Felix abblockte. Aber der war gerade zu erleichtert um nachzudenken, genoss die Nähe und den Zuspruch, das nicht für verrückt gehalten werden. Und so war er es diesmal, der ein Stück näher an Lasse heran rutschte und sich bei ihm anlehnte. Als Lasse spürte, dass er sich weiter entspannte, streichelte er ihm erst sanft über die Schulter und kraulte ihn dann ganz leicht im Nacken.
„Hmmmm“ brummte Felix genüsslich und überlegte nur einen Wimpernschlag, ob er noch klarstellen sollte, dass er nicht schwul war, verwarf den Gedanken dann aber direkt wieder. Sie waren einfach nur Freunde!

Daniels POV
Als die aufgehende Sonne Daniel ins Gesicht schien, kniff er die Augen zusammen und ärgerte sich, dass er die Vorhänge nicht ganz zugezogen hatte. Als er überlegte, ob er das tun sollte, oder Helligkeit zugunsten des warmen gemütlichen Bettes in Kauf nehmen, fiel sein Blick auf lange blonde Haare. Verwirrt hob er den Kopf und erblickte Katharina neben sich, die Haarsträhnen ins Gesicht hängend, der Brustkorb hob und senkte sich gleichmäßig. Daniel lächelte, tatsächlich hatte seine Freundin zum ersten Mal bei ihm übernachtet. Beim Gedanken an gestern Abend, an ihre Reaktion auf seine Windel und die Überwindung seiner Erinnerungen an die Klassenfahrt wurde sein Lächeln noch breiter. Apropos Windel: Mit dem üblichen Anflug von Scham tastete er nach seiner Schutzunterwäsche und aus dem zufriedenen Lächeln wurde ein breites Grinsen, Zufriedenheit und Erleichterung durchfluteten ihn.

Er zog Katharina an sich, was sie wach werden ließ. Sie blinzelten ihn an und fragte gähnend: „Warum grinst du so?“
„Weil ich glücklich bin. Ich hatte solche Angst, dir von dem Bettnässen zu erzählen und davor, wenn du beim ersten Mal hier schläfst. Und das war so unbegründet, es war einfach nur schön.“
„Oh ja“, bestätigte sie und Daniel erklärte: „Und ich bin trocken, das ist das I-Tüpfelchen an der ganzen Sache.“
„Das freut mich“
„Und mich erst! Du hast scheinbar einen guten Einfluss auf viele Aspekte!“

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